Im letzten Newsletter habe ich mit Absicht die Tortur durch Belgien weggelassen. Belgien, das Land des Bieres und guter Schokolade, scheint etwas Persönliches gegen mich zu haben. Das wäre okay, wenn man nicht durch Belgien durchmüsste, um nach Hause zu kommen.
Der Kaffee in dem kleinen, am Abend reizenden, am Morgen toten Touristendorf irgendwo im Nirgendwo kostet 7,50 Euro. Keine ausgedachten belgischen Euro – nein, europäische Euronen. Davon gab es 2 (Kaffees). Dazu ist der See anscheinend nur eine Attraktion zum Anschauen, jedoch aber nicht zum Schwimmen (was da los, Belgien?).
Zurück in Deutschland wird in der Nähe von Dortmund ein Zeltplatz gebucht, der an einem See liegt, in dem man tatsächlich baden kann. Dort wird der vorherige Newsletter ins Internet verabschiedet.
Letzter Stopp: Halle an der Saale, auch da wird noch einmal auf einem Campingplatz Halt gemacht. Es fühlt sich auf dem Hügel in diesem kleinen Dorf so an, als könnte man Berlin in der Ferne sehen. So nah an Zuhause. 5 Feuerwerke werden um diesen Hügel in den im Tal liegenden Dörfern gezündet und der Sternenhimmel glitzert, als hätte man ihn poliert. 8 Sternschnuppen später schlafe ich die letzte Nacht des Trips im Campervan, einen guten, tiefen Schlaf.
Am Morgen geht man in einem der umliegenden Dorfseen schwimmen, kocht sein letztes Mittagessen im Van und ist dann zwei Stunden später in Berlin.
Musik
Natürlich muss man Seeed hören, wenn man nach Berlin reinfährt, keine Frage.
Das Amore-Album von Wanda findet großen Anklang und Begeisterung. Ein lange nicht mehr gehörtes Album zu teilen und in guten Erinnerungen zu schwelgen: dafür hat Gott Musik erschaffen.
Chaleur Humaine von Christine and the Queens wurde mir dann gezeigt, aufgrund der zwei Jahre zurückliegenden Wilderness-Erinnerung. Gute Stimme, guter Vibe, sehr Radio-Pop/Elektro. Nicht ganz mein Fall.
Alex Ebert (ja, genau, der Sänger von Edward Sharpe and the Magnetic Zeros) Album Alexander könnte ein gutes Sommeralbum sein, wenn man mit Freunden picknickt auf einem Feld und etwas im Hintergrund hören möchte. Im Auto ist es leider ein bisschen langweilig.
31. August
Hallo Berlin. Hallo Zuhause. Hallo große Wohnung mit wahnsinnig viel Platz und Stauraum und Bewegungsfreiheit. Hallo überall stehende Sitzgelegenheiten.
Beim Sonnenuntergangsbier auf dem Tempelhofer Feld bin ich reizüberflutet von Menschen und Lärm und dem Gestank der Großstadt. Beim Zurück-nach-Hause-Spaziergang fällt uns auf, dass alles beim Alten ist. Die Bar an der Ecke ist noch da, der Dönermann auch.
Film
Wir versuchen, Interstellar zu schauen, bis mir die Augen zufallen.
1. September
Nun ist es schon September. Ein heißer erster Tag im Monat, viel Sonne. Es gibt Kaffee um 9.30 und Yoga um 10, es gibt Frühstück um 11 und ein verlorenes Familienkartenspiel auf dem Balkon, bis das von Halle abgeholte Familienmitglied seinen Rückweg antritt.
Zuhause wird Ordnung geschaffen, in einem sehr gemächlichen Tempo. Es werden hitzeresistente Blumen auf dem Balkon gestellt und in der Familie willkommen geheißen. Ein guter erster Tag.
2. September
Auch dieser Tag beginnt früh (früh für Camper-Menschen) und direkt mit Menschen. Man wuselt sich durch deutsche Bürokratie, bis die Operntalente in die Wohnung kommen und geprobt wird.
Gut geprobt wird, ich werd stolzer und stolzer auf dieses Projekt.
Als ich die Wohnung wieder nur für mich habe, beginnt von jeder Richtung eine Aufgabe zu rufen, dass sie als Nächstes an der Reihe sein will, also geht man spazieren. Der Lärm kann warten. Noch ist Urlaubsstimmung.
Am Abend findet man sich dann in der Z-Bar ein, denn heute heißt es wieder Showtime.
Ob drei die magische Zahl oder nicht, wir waren unfassbar gut vorbereitet. In dem halbvollen Raum wurde gut eingeheizt von niemand anderem als Tyron, einem fantastisch begabten Stand-up-Comedian, der ein wahres Talent beim Crowd-Working besitzt. Breit grinsend sitzt also das Publikum gespannt im Zuschauerraum, als unser „The Devils Went Down“-Song beginnt und damit die Oper einläutet. Ich bin sehr stolz, auf den Fortschritt, auf die Performance und ein klein bisschen auch auf mich selber.
Das wurde dann ausreichend gefeiert. An einem Dienstag. Sowas geht irgendwie auch nur in Berlin. Mindestens zwei zu viel Aperol Spritz später lalle ich mehr, als dass ich spreche, Liebesbekundungen in mein Team und werde nach Hause chauffiert. Ein guter Tag für die Oper.
3. September
Das Gute ist am zu viel Aperol trinken, wenn man es früh genug nach Hause schafft:
Dann hilft Yoga und Kaffee und eine kalte Dusche und man fühlt sich schon fast wie neu.
Ein erster richtiger Tag zurück, am Urlaubsgefühl festhaltend, schlendert man ein bisschen durch den Tag und fühlt sich gut dabei. Alles kann, nichts muss und vor allem hat es keine Eile. Schön so.
Ein Familienmitglied ist zufällig in der Stadt und kommt auf einen Kaffee vorbei. Auch schön, spontan zu sein. Kaffee zu trinken.
Dann macht man sich auf den Weg, denn heute Abend gibt’s Konzert. Man stiefelt in seinen neuen Cowboyboots aus Edinburgh übers Tempelhofer Feld, ist ein bisschen überwältigt von den Massen an Menschen, die man zu Gesicht bekommt, und sitzt dann, umringt von Freunden und lang nicht gesehenen Gesichtern, im Luftschloss, um Ben Barits Magie zu lauschen.
Musik
Ben Barritt hat eine sehr außergewöhnliche Stimme, darauf können wir uns alle einigen.
Ein bisschen Funk, Soul, Jazz und eben einfach Ben. Das Schöne an Musik ist, wenn sie dich da abholt, wo auch immer du bist, und dich mit Leichtigkeit und guter Laune einhüllen kann, bis diese durch die Haut in den Körper eindringt. Da braucht es nicht mal Alkohol. Vor dem Konzert war ich doch ein bisschen müde und wusste nicht ganz, was mich erwartet, und nach dem Konzert war ich energiegeladen und gut gelaunt. Tolles Release-Konzert.
Film
The Americans verabschieden sich in die 5. Staffel.
4. September
Ein wunderschöner Spätsommertag beginnt mit: na klar, Yoga.
Dann setzt man sich voller Vorfreude und künstlerischer Muse auf den Balkon, lässt sich die Sonne ins Gesicht scheinen und arbeitet an seinem nächsten Cabaret-Stück. Viel einfacher als Oper. Als es sich dann zum Nachmittag neigt, macht man sich auf nach Wilmersdorf.
Ist ja ganz hübsch da, Wilmersdorf, aber man könnte sich um seine Seen ein bisschen mehr kümmern – meine Meinung.
Musik
Juli Zeh war im Hotel Matze (3 Mal, um genau zu sein, beim dritten Mal mit Ehemann).
Weiterhin kein großer Fan von Matze, aber ein sehr großer von dieser klugen, reflektierten, in sich ruhenden Schriftstellerin.
Juli Zeh, ehrenamtliche Richterin, Schriftstellerin, Pferdetrainerin, wirft mit Wörtern um sich, die ich und sogar Matze noch nicht kannten. Sie ist schlagfertig, eloquent und geplagt von Angst, in der Öffentlichkeit zu stehen. Großer Fan einer Frau, die irgendwann mal auf das Podest von Heinrich Böll und Günter Grass gestellt wurde.
5. September
AJR hat eine neue EP und ich bin sehr glücklich und werde die nächsten Tage nichts anderes hören. Die sollen mal nach Berlin kommen, mensch!
Es gibt Freudiges über die Oper zu berichten. Das alles dann nächste Woche.
Ich heiße mich zurück in Berlin willkommen und freu mich auf das Wochenende.
Also, Bussi Baba, deine Emilia.